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| Warmmachen vor dem eigentlichen Shooting |
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| Eine volle Tafel und weiße Zettel, Bild links. Bitte beachten Sie auch die vier Arme des Ulrich Scheel, Bild rechts. |
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| Vor der Tafel unser Fotograf Herr Grosch, davor fliegt Herr König. |
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Ein Wissenschaftler zu werden, ist ganz einfach. Man benötigt nichts weiter als den Hörsaal einer Universität, einen weißen Kittel und ein über Jahre gereiftes Weltbild. Letzteres muss nicht unbedingt fundiert oder bewiesen sein. Es genügt, wenn es schlüssig klingt und sich in fetzige Tortendiagramme verpacken lässt. Außerdem sollte man stets irgendwelche Referenzen parat haben, ganz gleich, ob sie mit der eigenen Arbeit zu tun haben oder nicht.
Gesagt, getan. Für unsere Fotoaufnahmen für die Illustration des design report Titelthemas "Methodik" mieteten wir, Stephan König und Ulrich Scheel, den Hörsaal P 164 der Technischen Universität Berlin an. Das Geld, das man uns hierfür abverlangte, hätte auch für eine Fahrt nach Rimini gereicht. Aber wir wollten schließlich keinen Urlaub machen, sondern ganz dicht dran sein am Puls der Wissenschaft.
Während unser Fotograf Rüdiger Grosch seine Kamera aufbaute, warfen wir die Kittel über und skizzierten mit routiniertem Strich auf der Schiebetafel ein Schema über die universellen Zusammenhänge, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Es bestand zu großen Teilen aus dem vorabendlichen Fernsehprogramm, der Gebrauchsanleitung für die Tafel und ... richtig! ... zahllosen Tortendiagrammen. Wir verquickten alle diese kleinen umherschwirrenden Elemente mit einem Wust aus Zahlen, Formeln, Pfeilen, Grafiken, Boxen, usw. und verbanden sie zu etwas großem, sagen wir mal Gott gleichem. Mit anderen Worten: wir erklärten Zusammenhänge, die eigentlich nie erklärt werden wollten.
Kurz darauf besuchte uns zufällig die Frau Baudezernentin der Technischen Universität. Sie hatte uns den Hörsaal vermietet oder, wie auf Grund der Höhe der "Miete" anzunehmen war, vielleicht doch verkauft. Fassungslos schlich sie auf die Tafel zu und beglotzte unser Weltmodell. Auf ihre Frage hin stammelte Stephan irgendetwas von der Relativitätstheorie (der Klassiker!), ich hingegen deutete mit dem Zeigestock auf eine grüne Wolke, die das Internet darstellte (ebenfalls ein Klassiker!). Als die Frau Baudezernentin ernsthaft begann, den Murks zu einem logischen Ganzen zusammenzufügen, gab es für uns kein Halten mehr.
Sichtlich ergriffen wollte sie unsere Namen wissen und fragte mich nach veröffentlichten Büchern. Sie schloß durch meinen Nachnamen außerdem auf ein verwandtschaftliches Verhältnis zum Bundespräsidenten a.D. Walter Scheel. Sie wissen der singende Bundespräsident. Sollten wir die Wahrheit sagen und ihren Traum platzen lassen? Nein! Wir bestätigten die Annahme nur zu gerne. Stephan setzte flink nach und erzählte, wie mein angeblicher Opa mit dem Lied vom gelben Wagen jede Familienfeier zu einem Fest der guten Laune machte, dass sein Singsang aber manchmal auch sehr anstrengend sein konnte. Im selben Atemzug verwiesen wir auf eine dieser Feiern, die ebenfalls im Geflecht unserer Diagramme vermerkt worden war.
Die Frau Baudezernentin war schwer beeindruckt von unseren Ausführungen und unser indirekten Prominenz. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass Altpräsident Scheel selten Wissenschaftler ist. Und ich habe gestaunt, mit was für großem Erfolg etwas gekrönt sein kann, wenn es „Methode hat“.
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